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Gedenken an die Opfer Holocaust in Tschechien
30-01-2004 - Daniel Satra

Auch diesen Freitag heißt es wieder: Im Spiegel der Medien. Heute mit dem Tag zum Gedenken der Opfer des Holocaust. Im Studio sind für Sie Daniel Satra und Markéta Maurová.

KZ Auschwitz Im November vergangenen Jahres hatte das tschechische Abgeordnetenhaus beschlossen, dass der 27. Januar - der Tag, an dem die Roten Armee das KZ Auschwitz befreite - als Gedenktag an die Opfer des Holocaust auch in tschechischen Kalendern vermerkt sein sollte. 14 europäische Staaten haben diesen Tag bereits zum Anlass für ihr Gedenken genommen, und auch Israel zollt diesem Datum seit diesem Jahr besondere Aufmerksamkeit. Vergangene Woche, kurz vor dem ersten offiziell geplanten tschechischen Gedenktag, hat der Senat den Gesetzesentwurf über diesen und andere Gedenk- und Feiertage jedoch zurückgewiesen, es bestehe noch Bearbeitungsbedarf.

Der stellvertretende Chefredakteur der Lidové Noviny Jaroslav Plesl, schreibt, warum ein Gedenken an die Opfer des Holocaust auch in Tschechien notwendig ist: "Um zu warnen!", so Plesl schon in der Überschrift. Seine Warnung eröffnet er mit einem erschreckenden und beeindruckenden Beispiel, Zitat:

"Die Juden sollten aufhören, so zu tun, als seien sie die ‚Opfer des Holocaust'. Das denkt jeder dritte Europäer, so das Ergebnis einer soziologischen Studie im Auftrag der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera in neun westeuropäischen Staaten."

Grund genug für Plesl das Gedenken europaweit aufrecht zu erhalten und zu fördern, nur so könne man gegen die "antisemitische Welle in Europa" ankommen. Weiter schreibt Plesl:

"In Tschechien gibt es zudem einen wichtigen Grund, warum auch wir hier gemeinsam mit 14 anderen Staaten in Europa der Opfer des Holocaust gedenken sollten. Denn wir würden uns nicht allein die Erinnerung an die Ermordung tschechischer Juden ins Gedächtnis zurückrufen, sondern auch die Ermordung der Roma und der Homosexuellen, beides Minderheiten, die auch heute oft zur Zielscheibe von Hassattacken und sogar Gewalttaten werden."

Ankunft der Roma in Auschwitz Nach wie vor seien in Tschechien die Wissenslücken groß, wenn es um den Holocaust und seine Opfer gehe. Über den Roma-Genozid seien erst nach 1989 nachhaltige Informationen ans Tageslicht der Öffentlichkeit gedrungen, die Ermordung Homosexueller zur Zeit des Protektorats Böhmen und Mähren sei gar bis in die Gegenwart nicht auf der Agenda eines öffentlichen Diskurses anzutreffen.

Auch Tomás Jelínek, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Prag, ist von Sinn und Notwendigkeit des staatlichen Gedenktages überzeugt. Zu Radio Prag sagte er:

"Es geht um ein gewisses Aufrechterhalten der gesellschaftlichen Erinnerung. Und Bestandteil einer solchen Kultur sind insbesondere Gedenktage. Ich sehe dabei als grundlegend an, dass neben dem Pietätsteil das Hauptaugenmerk auf die Jugend gerichtet ist. In der Tschechischen Republik gibt es heute bereits eine ganze Reihe von Programmen, die sich damit auseinandersetzen. Und alle haben sie Eines gemeinsam: Sie wollen die Jugend dazu bringen, sich mit dem Leid der Menschen im Zweiten Weltkrieg zu befassen."

Die Jugend ist es auch, die nach Ansicht Jelíneks den entscheidenden Beitrag dazu leisten muss, das Andenken an die Opfer aufrechtzuerhalten. Dazu gehört es auch die Erinnerung an die grenzenlose Gewalt, die sich gegen Juden, Roma und andere Bürger der Tschechoslowakei richtete, nicht verblassen zu lassen. Denn, so warnt Jelínek:

"Hier gibt es eine marginale aber vitale Gruppe Jugendlicher, die sich mit Verleugnungsliteratur und -argumentation beschäftigt, und die zudem Material verbreitet, das das Ermorden der Juden in Europa während des Zweiten Weltkriegs in Frage stellt. Diese beiden Gruppen werden - wie immer schon in der Geschichte - miteinander konkurrieren. Und die erste Gruppe, die an Masaryk zur Zeit der Justizaffäre gegen den Juden Leopold Hilsner anknüpft, soll langfristig den Sieg davontragen, und dies auch mit der Unterstützung tschechischer Eliten."

Das war Tomás Jelínek, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Prag.



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