Suchen
6.10.2022
NACHRICHTEN

GESCHICHTE

TRADITIONEN, KULTUR

RADIO PRAG








Česky English Deutsch Francais
Steigende Zahl von tschechischen Roma sucht um Asyl in Kanada an
Tschechische Roma suchen weiterhin Zuflucht in Kanada. 570 Asylanträge sind im Januar und Februar 2009 gestellt worden, 84 davon haben die kanadischen Behörden bewilligt. Die kanadische Botschaft Prag zeigt sich besorgt. Denn Medienberichten zufolge soll es nicht nur die Bedrohung durch Rassismus und Rechtsextremismus sein, was die Roma zur Auswanderung veranlasst. Auch Geschäftemacherei soll damit verbunden sein.

Foto: ČTK Asyl beantragen als Bürger eines EU-Landes? In Tschechien sehen noch immer Menschen Grund dazu. Sie sind Angehörige der Minderheit der Roma. In den letzten Tagen ist die wachsende Zahl der Asylanträge nach Kanada in den Blickpunkt geraten. Rassische Diskriminierung ist jedoch nicht immer der einzige Grund für die Auswanderung, wie auch Ivan Veselý von der Roma-Vereinigung Dženo einräumt:

„Bei vielen Roma ist das Gefühl der Bedrohung berechtigt. Und das ist oft der Grund auszureisen oder um Asyl in Kanada anzusuchen. Andererseits gibt es auch eine zweite, kleine Gruppe von Roma, die wir ‚Wirtschaftsspekulanten’ nennen, und diese wandern aus ökonomischen Gründen aus.“

Ivan Veselý Tschechischen Medienberichten zufolge werde die Auswanderung der Roma oft von Vermittlern organisiert, die von Kanada aus operieren und dabei kräftig abkassieren. Die kanadische Botschaft in Prag ist alarmiert. 1997 war wegen der hohen Zahl der Asylanträge die Visapflicht für tschechische Staatsbürger eingeführt und erst zehn Jahre darauf wieder abgeschafft worden. Michal Vlček von der kanadischen Botschaft in Prag:

„Die kanadische Regierung möchte den visafreien Reiseverkehr mit der Tschechischen Republik gerne aufrechterhalten. Wir beobachten die wachsende Zahl der Asylanträge aber aufmerksam.“

Trotz der Geschäftemacherei und den Wirtschaftsflüchtlingen gebe es anderseits in Tschechien noch erhebliche Defizite bei der Integration der Roma in die Mehrheitsgesellschaft, meint Roma-Aktivist Veselý:

„Die berufliche Qualifizierung der Roma muss gefördert und Arbeitsplätze für sie müssen geschaffen werden. Es muss aber auch für mehr Sicherheit gesorgt werden. Es ist wichtig, dass die Regierung das Integrationsprogramm für die Roma nach und nach umsetzt.“

Foto: ČTK Handlungsbedarf leugnet auch der Minister für Menschenrechte und nationale Minderheiten, Michael Kocáb, nicht. Jedoch müssten sich alle Bürger dem Problem stellen:

„Die Politik allein kann dieses Problem nicht lösen. Eine breite Öffentlichkeit muss bei Übergriffen auf Roma Solidarität bekunden und guten Willen zeigen. Sonst könnte der Extremismus jetzt in der Wirtschaftskrise noch weiter zunehmen.“

Die Anzeichen für eine Verschärfung des Extremismus mehren sich in der letzten Zeit. In der Nacht auf Sonntag hatten unbekannte Täter im nordmährischen Vítkov das Haus einer Roma-Familie in Brand gesteckt. Ein zweijähriges Mädchen erlitt dabei lebensgefährliche Verletzungen.



Artikel zum Thema
DatumÜberschriftRubrik
17.01.2018Rassenhass – salonfähig seit 1990?Nachrichten
28.08.2015(Keine) Realität für Roma – Urteil gegen Diskriminierung auf dem WohnungsmarktNachrichten
22.09.2014Rote Karte gegen Rassismus: Diplomaten unterstützen Roma-FußballvereinNachrichten
17.10.2013Kanada will Visumspflicht für tschechische Bürger aufhebenNachrichten
17.09.2010Premier Nečas: „EU muss mehr Druck auf Kanada wegen Visumpflicht ausüben“Nachrichten
15.09.2010Premier Nečas möchte bei EU-Gipfel kanadische Visumspflicht für tschechische Bürger ansprechenNachrichten
24.04.2010Visumspflicht für Kanada-Reisende aus Tschechien könnte noch 2010 fallenNachrichten
29.03.2010Kampf gegen Ausgrenzung von Roma – Regierung beginnt ihr Konzept umzusetzenNachrichten
16.03.2010Erneut Brandanschlag auf Roma-FamilieNachrichten
Alle Artikel zum Thema
Artikel
Zum Druck formatieren
Als E-mail versenden

Eine Auswahl aus den vorangegangenen Beiträgen der Rubrik "Nachrichten"
02.07.18  Drei tschechische Teams bei Fußballbegegnungsfest in Leipzig
29.05.18  Verdrängt und geleugnet: das Schicksal der Roma
06.04.18  Roma werden bei der Arbeitssuche diskriminiert
07.02.18  Okamura unter Druck wegen Äußerungen zu KZ Lety
17.01.18  Rassenhass – salonfähig seit 1990?
27.11.17  Regierung kauft offiziell Schweinemast in Lety
07.11.17  Uno: Tschechien muss schleichendem Anstieg von Hass begegnen
24.10.17  Bereit zur Übergabe der Geschäfte
01.08.17  Ehemaliges Roma-KZ Lety: Grünes Licht für Aufkauf des Mastbetriebs
17.07.17  Endlich sitzen bleiben: Verfassungsgericht kippt diskriminierende Verordnungen
Archiv

Meistgelesene Artikel
54360   26.02.00 Geschichte und Herkunft der Roma
51276   26.02.00 Die traditionelle Lebensart der Roma
49240   26.02.00 Traditionelle Berufe der Roma
46991   26.02.00 Familie
44584   26.02.00 Jugend
38755   26.02.00 Kindheit
37164   26.02.00 Erwachsenenalter
36835    Geschichte der Roma auf dem Gebiet der Tschechischen Republik
33022   26.02.00 Die Situation der Roma nach 1989
32249   26.02.00 Alter
Copyright © Český rozhlas / Czech Radio, 1997-2022
Vinohradská 12, 120 99 Praha 2, Czech Republic
E-mail: info@romove.cz