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Printed 16.06.2019 05:09

Nicht nur Musik – Festival Khamoro auch mit Literatur und bildender Kunst
30-05-2017  Till Janzer, Strahinja Bućan, Loreta Vašková

Es gilt als das größte Festival von Roma weltweit. Das Khamoro in Prag ist mittlerweile eine Institution. Am Montag wurde der 19. Jahrgang gestartet, und dieser wartet auch mit einigen Neuheiten auf.

Foto: Offizielle Facebook-Seite des Festivals Wie jedes Jahr ist Musik ein wichtiger Teil von Khamoro. Mit dabei sind auch zwei Jazzbands. So das Trio des Gitarristen Nitcho Reinhardt aus Frankreich, das am Dienstag im Jazz Dock spielen wird. Aber auch traditionelle Musik kommt nicht zu kurz, mit internationalen Stars wie beispielsweise den Taraf de Haïdouks aus Rumänien oder Fuego y Fragua aus Spanien. Doch Festivalsprecherin Soňa Kalejová betont gegenüber Radio Prag:

„Khamoro dreht sich nicht nur um Musik. Wir bieten auch Fachveranstaltungen an, Ausstellungen oder Theater zum Beispiel. Aus vielen Bereichen haben wir etwas, so dass jeder fündig werden kann.“

Sabina Badžová (Foto: Archiv von Sabina Badžová) Erstmals überhaupt in den bisherigen 19 Jahren bildet Literatur von Roma einen Schwerpunkt. Sabina Badžová vom Festival-Organisationsteam:

„Die Idee ist uns deswegen gekommen, weil Roma meist mit mündlicher Überlieferung verbunden werden und nicht so sehr mit geschriebenen Werken. Doch wir wollen die Besucher davon überzeugen, dass dies nur Stereotype sind und es viele Schriftsteller unter den Roma gibt.“

Tatsächlich sind es von tschechischer Seite vor allem Schriftstellerinnen, die am Mittwoch in der Prager Stadtbücherei lesen werden. Zudem gibt es auch einen Workshop für angehende Autoren.

In die Zukunft gerichtet ist ein weiteres Projekt. So soll ein digitales Archiv für Kunst der Sinti und Roma entstehen, das international zugänglich ist. Doch es fehlt noch der organisatorische Rahmen.

Foto: Offizielle Facebook-Seite des Festivals „Bisher gibt es keine übergreifende Institution, die sich um das RomArchive kümmert. Deswegen werden bei Khamoro in diesem Jahr die Institutionen und Organisationen angesprochen, die im Bereich tschechischer Kultur tätig sind, aber auch 15 Experten, die aus unterschiedlichen Teilen Europas nach Prag gekommen sind“, so Soňa Kalejová.

Beim Festival wird sozusagen der Grundstein gelegt für das RomArchive. Im kommenden Jahr sollen schon die ersten Werke online zugänglich sein. In Deutschland wird das Projekt übrigens gefördert von der Kulturstiftung des Bundes.

Bildende Kunst ist aber auch direkt bei Khamoro zu sehen. Moritz Pankok von der weltweit ersten Galerie der Sinti und Roma, der Kai Dikhas in Berlin, hat eine Ausstellung kuratiert. Dazu Sona Kalejová:

Foto: Offizielle Facebook-Seite des Festivals „In den Räumen des Tschechischen Zentrums in Prag stellen am Donnerstag 15 Künstler aus. Die Besucher erhalten so einen Einblick in die sehr unterschiedlichen Welten von Roma, Sinti, Gitanes und Travellers.“

Am Freitagmittag versammeln sich alle Mitwirkenden des diesjährigen Khamoro auf dem Altstädter Ring. Dort startet dann der bereits traditionelle Umzug durch die Prager Innenstadt. Zudem laufen an allen Festivaltagen auch Konzerte. Das große Finale steigt dann am Samstag im Klub SaSaZu. Dort treten alle Musiker und Bands noch einmal auf.




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