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Printed 22.01.2020 10:56

Kampagne wirbt für fleißige Roma
03-08-2012  Steffen Neumann

Zigeuner sind faul und wollen nicht arbeiten. Das ist in Tschechien die weit verbreitete Meinung über Roma. Dass in Wirklichkeit rund zwei Drittel der Roma einer normalen Arbeit nachgehen, ist nur wenig bekannt. Gleichzeitig sind diese Vorurteile ein Hauptgrund, warum Roma bei freien Jobs oft nicht zum Zuge kommen. Eine neue Kampagne will diese Stereotypen nun aufbrechen.

In den kommenden Wochen werden Plakate in der Prager U-Bahn für Aufsehen sorgen. Auf einem von ihnen zum Beispiel steht weiß auf schwarzem Untergrund: ‚Der Zigeuner hat mir die Wohnung geweißt’. Für alle Tschechen ist sofort klar: Zigeuner sind in die Wohnung eingebrochen und haben alles Brauchbare mitgenommen. Die Initiatoren der Plakataktion haben jedoch nicht vor, gegen Roma Stimmung zu machen. Im Gegenteil: Hinter der Aktion stehen die Hilfsorganisation IQ Roma Servis und dem Verein Romea. Sie nehmen den Satz wörtlich. Denn in Kleinbuchstaben folgt die Erklärung: „Er ist einfach der beste Maler.“ Dazu sagt Katarína Klamková, Geschäftsführerin von IQ Roma Servis:

„Wir wollen spielerisch und mit Witz auf eingefahrene Stereotypen und Vorurteile der Gesellschaft aufmerksam machen. Auf die andere Seite stellen wir die Realität, die für viele Tschechen leider schockierend wirkt.“

Katarína Klamková Die Kampagne wurde von der Werbefirma Comtech umgesetzt. Die Plakate werden bis Ende August in den U-Bahnlinien A und B zu sehen sein. Gleichzeitig ist das Portal Mypracujeme.cz online gegangen. Es soll die Aktion laut Klamková begleiten:

„Dort werden Roma aus ihrem Arbeitsleben erzählen. Auf dem Portal werden Texte und Fotos zu sehen sein. Wer will, kann auch Videos hochladen, die sich dann über die sozialen Netzwerke verbreiten lassen.“

Alle diese Aktionen sollen eins zeigen: Dass es für Roma genauso normal ist, arbeiten zu gehen, wie für Tschechen. Noch einmal Katarína Klamková:

„Wir wollen zeigen, dass Roma Menschen sind, die auch arbeiten. Dass sie das können und wollen. Viele von ihnen haben großartige Berufe und eine ausgezeichnete Ausbildung. Und sie genießen bei ihren Arbeitgebern und Kunden Respekt.“

Und Jarmila Balážová von Romea ergänzt:

„Wir hoffen, dass die Kampagne eine Diskussion in Gang setzt. Ist es wahr, dass Roma nicht arbeiten wollen, wie alle immer behaupten? Oder ist etwas mit unseren Firmen nicht in Ordnung.“

Beide Frauen sind überzeugt, dass Roma wegen ihrer Herkunft auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert werden, egal ob offen oder verdeckt. Dem Problem wollen ihre beiden Organisationen positiv begegnen. Schon seit einigen Jahren verleihen sie das Gütesiegel „Ethnic friendly“ an vorbildliche Arbeitgeber, die Roma einstellen und sie nicht benachteiligen. In diese Richtung soll sich nach den Vorstellungen von Katarína Klamkova auch das Web Mypracujeme.cz entwickeln.

„Vielleicht schaffen wir es, 2013 auf dem Web – wie bei dem Gütesiegel „Ethnic friendly“ für Arbeitgeber – ähnlich geprüfte Arbeitsangebote von gewerbetreibenden Roma zu präsentieren.“

Wer sich also seine Wohnung malern lassen will, wird hier sicher fündig.




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