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Neonazi-Aufmärsche – Anwohner rufen zur Solidarität mit Roma auf
26-08-2013 - Till Janzer
In insgesamt acht tschechischen Städten kam es am Samstag zum Aufmarsch von Neonazis. Die Veranstaltungen hatten alle nur ein Ziel: gegen Roma Stimmung zu machen. Im mährisch-schlesischen Ostrava / Ostrau mündete der Aufmarsch in gewalttätigen Auseinandersetzungen.

Neonazi-Aufmarsch in Ostrava (Foto: ČTK) Die Neonazis schmissen Böller und Flaschen, die Polizei antwortete mit Tränengas. Der Aufmarsch in Ostrau verwandelte sich am Samstag in eine Straßenschlacht. Die Bilanz: 21 Verletzte auf Seiten der Ordnungshüter und vier auf Seiten der Rechtsradikalen. In der Stadt im Nordosten des Landes sowie an drei weiteren Orten landeten über 100 Menschen in Polizeizellen – meist waren es Neonazis, im westböhmischen Plzeň / Pilsen aber auch einige Mitglieder antifaschistischer Gruppen.

Es ist nicht das erste Wochenende in diesem Sommer, an dem Rechtsradikale zu Märschen gegen die Minderheit der Roma aufgerufen haben. Vor einigen Wochen geriet České Budějovice / Budweis in die Schlagzeilen, weil es dort nach einer solchen Veranstaltung zu Ausschreitungen gekommen war. Nun also Ostrau. Der dortige Oberbürgermeister, Petr Kajnar von den Sozialdemokraten, glaubt jedoch nicht, dass die Bewohner der Stadt an dem Aufruhr beteiligt waren:

„Ich denke nicht, dass in Ostrau selbst eine besonders angespannte Lage herrscht. Die Rechtsradikalen sind von außerhalb hierhergekommen.“

Neonazi-Aufmarsch in Duchcov (Foto: ČTK) Insgesamt 2500 Neonazis sollen am vergangenen Wochenende auf den Straßen gewesen sein, schätzte die tschechische Presse. Bei ihren Aktionen setzen die Extremisten darauf, dass sich ihnen unzufriedene Anwohner anschließen. Doch das geschah diesmal fast überhaupt nicht. Martin Šimáček ist Regierungsbeauftragter für soziale Eingliederung, er hält die Zurückhaltung der Anwohner für ein gutes Zeichen:

„Das heißt, dass sich die Bürger des Landes nicht auf die radikalen Lösungsvorschläge der Neonazis einlassen. Wir können also zurückkehren zu einer sachlichen Diskussion über das Problem soziale Ausgrenzung, das leider an einigen Orten existiert.“

Besonders betroffen von der sozialen Ausgrenzung sind eben Roma. Das haben auch internationale Bürgerrechtsorganisationen immer wieder kritisiert, sie warnen deswegen vor der steigenden Roma-Feindlichkeit.

Martin Šimáček (Foto: Šárka Ševčíková)Vor fünf Jahren gründete die tschechische Regierung eine Agentur zur sozialen Eingliederung. Diese Agentur betreut mittlerweile Projekte in 26 Städten des Landes. Und das mit Erfolg, sagt Martin Šimáček:

„Mir gibt es ein gutes Gefühl, dass an diesen Orten die Anwohner offener sind für langfristige Lösungen. Wir kümmern uns darum, dass soziale Dienste bereitstehen sowie Arbeitsmarkt und Wohnungsmarkt funktionieren. Solche konstruktive Lösungen erkennen die Menschen an. Das ist der Weg – und nicht der Radikalismus oder billiger Populismus von Politikern.“

An den Orten der Neonazi-Aufmärsche fanden am Wochenende auch zahlreiche Gegenveranstaltungen statt. In Pilsen taten sich zum Beispiel 19 Vereine und Parteien zusammen, um für ein gutes Zusammenleben mit den Roma zu demonstrieren.



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