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Starke Abneigung gegen Roma bei tschechischen Schülern
30-05-2013 - Marco Zimmermann
Eine Studie unter tschechischen Schülern im Alter zwischen 12 und 15 Jahren hat Unschönes zu Tage gefördert: Ein Drittel der Befragten will nicht mit einem Roma befreundet sein, und 40 Prozent würden sogar aktiv an einem Marsch gegen Roma teilnehmen. Ein weiteres, weniger überraschendes Ergebnis war, dass die Schüler Konformität schätzen.

Foto: Vojtěch Berger, Archiv des Tschechischen Rundfunks Die Forscher wollten herausfinden, wie die tschechischen Schüler Verschiedenartigkeit aufnehmen. Es ging um die Reaktionen der Jungendlichen auf andere Ethnien, andere Hautfarben, aber auch auf anderes Aussehen und anderes Verhalten. Befragt wurden dazu 1744 Schüler aus 39 Schulen außerhalb Prags. Um ihre Haltungen möglichst objektiv einschätzen zu können, kam unter anderem das Spiel Multipolis zum Einsatz. Bohumil Kartous ist Sprecher der Firma Scio. Sie hat die Untersuchung durchgeführt:

„Multipolis ist ein Spiel, das auf vielen verschiedenen Spielfiguren basiert, aus denen die Schüler eine auswählen können. Im Rahmen dieser Auswahl kommt es dann zum Aufbau verschiedener Beziehungen und zum Lösen einiger Probleme. Dabei können die Schüler lernen, wie es ist, aus einer anderen Ethnie oder einer anderen Kultur zu kommen.“

Bohumil Kartous (Foto: Barrandov TV) Bei der Studie ging es aber nicht nur darum, sich in andere Personen hineinzuversetzen. Den Schülern wurden auch konkrete Fragen und Aufgaben gestellt. Besonders interessant seien Fragen zu Roma gewesen, meint Kartous:

„Auf die Frage, wie viele Schüler aktiv einen Anti-Roma-Aufmarsch unterstützen würden, sind wir auf die für mich überraschende Zahl von 40 Prozent gekommen. Im Gegensatz dazu haben nur etwa acht Prozent offen erklärt, sich gegen einen solchen Marsch auszusprechen. Wenn man das auf eine gängige Schulklasse von 30 Kindern umrechnet, würden zwölf für einen solchen Aufmarsch sein und nur zwei dagegen. Ich fürchte, es würde dadurch zu einer Spirale des Schweigens kommen. Die offene Unterstützung der Aktion wäre so groß, dass die Minderheit unter dem Druck der Mehrheit einfach Angst hätte, ihre Meinung zu äußern.“

Anti-Roma-Aufmarsch (Foto: ČTK) Schuld an einer solch intoleranten Haltung der Schüler sei aber nicht nur die Schule, sondern vor allem die Familie. Die dort kolportierten Meinungen würden die Kinder natürlich mit in die Schule nehmen. Aber auch die Medien spielten eine große Rolle, so Kartous:

„Wir haben ein Experiment gemacht: Ein Teil der Schüler sollte zuerst einen seriösen Zeitungsartikel über eine Straftat lesen, ein anderer Teil der Schüler bekam zuerst einen Artikel über dieselbe Straftat aus einer Boulevardzeitung, in dem Roma als Täter bezeichnet wurden. Sehr interessant war, dass 62 Prozent der Schüler angegeben haben, sie hätten aus dem Boulevardartikel mehr Informationen erhalten. Interessant war auch, dass 23 Prozent jener Schüler, die den seriösen Artikel zuerst gelesen haben, trotzdem sofort geglaubt haben, die Täter seien Roma gewesen. Das spiegelt das Vorurteil wieder, dass Roma Straftäter sind.“

Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks Die Schüler sollten auch bestimmen, wie sie sich einen idealen Freund vorstellen. Dazu konnten sie aus einer Reihe von Bildern und Beschreibungen auswählen. Das Ergebnis war, dass die meisten Jugendlichen sich gegen Menschen mit anderer Hautfarbe, gegen Übergewichtige und gegen Streber entschieden. Am wichtigsten war den Befragten also möglichst wenig Abweichung von der Norm: Der ideale Freund sollte weder zu schlau noch zu dumm und weder zu traurig noch zu fröhlich sein. Durchschnitt und Konformität stehen also für die Schüler an erster Stelle - wenig überraschend.



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