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Die Mehrheit der Tschechen will nicht mit Roma in einem Land leben
15-12-2010 - Christian Rühmkorf
Vier von fünf Tschechen betrachten Roma als eine nichtanpassungsfähige Minderheit. Das geht hervor aus der aktuellen Stem-Umfrage, die das Innenministerium in Auftrag gegeben hatte. Probleme im Zusammenhang mit der Roma-Minderheit gelten danach als Hauptgrund für Rechtsextremismus im Lande. Acht Prozent der Bevölkerung würden ihre Stimme einer rechtsradikalen Partei geben.

Die Mehrheit der Tschechen möchte nicht mit Roma in einem Land zusammen leben. Eine langfristig äußerst negative Haltung gegenüber Roma haben laut der aktuellen Stem-Umfrage 85 Prozent der Menschen.

Das sei für einen Soziologen eine drastische Zahl. Das seien im Grunde alle Bürger, sagt Jan Hartl, der Direktor des Meinungsforschungsinstituts Stem:

Jan Hartl „90 Prozent der Menschen geben – ob es stimmt oder nicht – hinsichtlich der Roma an, dass sie von persönlichen Erfahrungen ausgehen oder von Erfahrungen ihres familiären Umfeldes. Aber auch wenn das ein Vorurteil ist und also nicht der Wahrheit entspricht, dann ist es doch ernst zu nehmen, da man das schwer ändern kann.“

Je mehr direkte Erfahrungen ein Tscheche mit der Roma-Minderheit hat, desto häufiger ist er überzeugt, dass Roma nicht anpassungsfähig sind. Das ist ein wesentliches Ergebnis der Studie, das auf den ersten Blick zu belegen scheint, dass längst nicht nur Vorurteile, sondern auch Primärerfahrungen zu dieser Haltung der Mehrheitsgesellschaft führen.

„Antiziganistische Haltungen sind in der tschechischen Gesellschaft vor allem sozial verankert. Das hängt damit zusammen, dass die tschechische Öffentlichkeit Roma mit mangelnder Anpassungsfähigkeit, Kriminalität und dem Missbrauch von Sozialleistungen verbindet“, sagt Stem-Mitarbeiter František Bartoš.

80 Prozent der Befragten meinen, dass Roma laut und gewalttätig seien. Untersuchungen über den Anteil von Roma an allen begangenen Straftaten gibt es indes nicht. Dass Roma diskriminiert werden, glaubt hingegen nur ein Fünftel der Tschechen. Und über 30 Prozent von ihnen sind überzeugt, dass sich die Situation im Zusammenleben nicht bessert, weil der Sozialstaat ein inakzeptables Verhalten der Roma unterstütze. Selten würden Strafen auferlegt, selbst die Polizei und die Beamten hätten Angst vor Racheakten, glaubt jeder fünfte Tscheche. Innenminister John:

Radek John (Foto: Kristýna Maková) „Für die Polizei bedeutet das, in die Roma-Gemeinschaften hineinzugehen und ohne Rücksicht darauf vorzugehen, wen es trifft. Das Recht muss überall durchgesetzt werden, egal, ob es ein Stadtteil ist, wo Reiche oder Arme leben, eine Minderheit oder die Mehrheitsgesellschaft. Das ist unsere Aufgabe. Ansonsten ist es am wichtigsten, eine gesellschaftliche Diskussion anzustoßen und die Dinge zu benennen, vor denen wir Angst haben, sie beim Namen zu nennen. Wir haben uns zunächst damit zufrieden gegeben, dass der Kampf gegen den Extremismus in den letzten zwei Jahren sehr erfolgreich war. Wir haben die Demonstrationen aus den Straßen verbannt, aber das Geflecht darunter ist grauenvoll.“

Nach Ansicht des Innenministers hätten aber auch die Eltern aus der Roma-Minderheit die Pflicht, mit ihren Kindern über das Problem zu sprechen. Die tschechische Gesellschaft sei nicht rassistisch, heißt es in der Studie, sie sei vielmehr nationalistisch. Tschechen sehen die Roma in ihrem Land aus Ausländer, nicht als Mitbürger.

Und so passt es auch, wenn auf der schwarzen Minderheiten-Liste der Tschechen gleich hinter den Roma die Drogensüchtigen, die Skinheads, die Anarchisten und die Muslime kommen. Das beste Verhältnis haben Tschechen zur slowakischen Minderheit und zu Körperbehinderten.



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