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Prag verstimmt über erneute Einführung von Visa für Tschechen nach Kanada
13-07-2009 - Till Janzer
Tschechische Bürger müssen für Reisen nach Kanada erneut Visa beantragen. Diese Regelung gilt seit Dienstag. Ottawa reagiert damit auf den starken Anstieg von Asylgesuchen tschechischer Roma in Kanada. Prag hatte bis zuletzt versucht, diesen Schritt abzuwenden. Über das kanadische Vorgehen herrscht nun große Verstimmung in der tschechischen Politik.

Noch am Sonntag hatte Außenminister Jan Kohout im Tschechischen Fernsehen gesagt, es gebe keinen Hinweis für die Wiedereinführung kanadischer Visa für tschechische Bürger. Am Dienstagabend musste dann ein deutlich verstimmter Chef der tschechischen Diplomatie im selben Sender das Gegenteil mitteilen: Er habe vor wenigen Stunden vom Botschafter in Ottawa erfahren, dass Kanada erneut Visa für tschechische Bürger einführt. Eine offizielle diplomatische Note dazu habe er aber immer noch nicht in der Hand:

„So verfährt man nicht mit einem Land, mit dem man die Nato-Mitgliedschaft teilt, mit dessen Soldaten man Seite an Seite in Afghanistan kämpft. Erst im letzten Moment einen Verbündeten in der Allianz darüber zu informieren, dass für seine Bürger Visa eingeführt werden, halte ich für eine beispiellose Angelegenheit“, so Kohout.

Harte Worte ohne diplomatische Zurückhaltung an die Adresse von Ottawa. Der kurzfristige Schritt bedeutet für tschechische Reisende allerdings auch ein handfestes Problem. Nur 48 Stunden lang können sie nun übergangsweise bei der Ankunft in Kanada den Visumantrag stellen. Danach müssen sie bereits mit einem Visum im Gepäck anreisen. Und das lässt sich aber nicht in Prag beantragen, sondern nur in Wien.

„Falls die Leute, die am Freitag oder am Wochenende abfliegen, dies nicht rechtzeitig schaffen, haben sie rechtlich gesehen keinerlei Anspruch auf eine Rückerstattung des Flugtickets oder bereits bezahlter Reisen. Das ist wirklich ein riesiges Problem“, so Tomio Okamura, Sprecher und Vizepräsident des Verbandes tschechischer Reiseagenturen.

Dabei würden jetzt im Sommer jeden Monat rund 4000 tschechische Touristen Kanada besuchen, erläutert Okamura.

Dass Kanada nach 2007 erneut Visa einführt, hat zum einen mit der steigenden Zahl rassistischer Angriffe auf Roma in Tschechien zu tun und zum anderen mit der Asylpolitik in Kanada. 1720 tschechische Roma haben unter Hinweis auf die Diskriminierung in ihrer Heimat seit Jahresbeginn in Kanada Asyl beantragt, im gesamten vergangenen Jahr waren es nur etwa 850. Laut dem tschechischen Außenminister Kohout hält man in Ottawa zudem aber auch das eigene Asylrecht für zu freizügig:

„Geplant ist, im Herbst dem Parlament einen Antrag auf Beschränkung oder Standardisierung mit anderen Asylsystemen vorzulegen. Das heißt, die Kanadier selbst bekennen, dass der Hauptgrund für den Exodus aus Tschechien ihr eigenes Asylsystem ist.“

Für eine Gegenreaktion sind der tschechischen Seite indes die Hände gebunden. Als EU-Mitglied kann Prag nicht selbst Visa für kanadische Bürger einführen, das kann nur die EU als Gesamtes. Die tschechische Regierung will allerdings laut Kohout die restlichen Europäer zu Solidarität mit Tschechien auffordern.



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