Suchen
16.5.2012
NACHRICHTEN

GESCHICHTE

TRADITIONEN, KULTUR

RADIO PRAG








Česky English Deutsch Francais
Wahlspot-Affäre: Rechtsextreme Nationalpartei will Europawahl annullieren lassen
25-05-2009 - Christian Rühmkorf
Die Nationalpartei hatte in ihrem Wahlspot für die Europawahl zur „Endlösung der Zigeunerfrage“ aufgerufen. Die Parteienreklame wurde aus den Programmen der öffentlich-rechtlichen Stationen herausgenommen. Nun will die Nationalpartei die Ergebnissen der Europawahlen in Brüssel anzweifeln.

Jiří Janeček „Ich habe mich sofort entschlossen, den Spot abzusetzen. Ich übernehme dafür persönlich die Verantwortung“, hatte vergangene Woche der Generaldirektor des Tschechischen Fernsehens, Jiří Janeček gesagt.

Am Mittwochabend war der Wahlspot der rechtsextremen Nationalpartei zum ersten und letzten Mal ausgestrahlt worden. Er propagierte wörtlich die „Endlösung der Zigeunerfrage“. Zwar wurde der Chef des Tschechischen Fernsehens von den Grünen scharf kritisiert, dass er den Spot überhaupt gesendet hat. Quer durch das politische Spektrum fand die Absetzung der Parteienreklame jedoch Zustimmung. Auch zwei Drittel aller Bürger halten den Schritt für richtig.

„Ich bin mit dem Ergebnis, das der Spot gebracht hat, sehr zufrieden“, sagte hingegen die Vorsitzende der Nationalpartei, Petra Edelmannová, im Tschechischen Fernsehen. Durch die Absetzung des Spots habe man sogar eine noch breitere Wirkung erzielt, als gedacht.

Foto: ČTK Die Nationalpartei hat nun angekündigt, einen neuen Wahlspot zu produzieren. Gegen die Absetzung des alten Wahlspots will die Partei nicht gerichtlich vorgehen. Sie hat sich ein größeres Ziel gesteckt: Die Nationalpartei will die Europawahlen im Nachhinein insgesamt anzweifeln, da ihre Wahlspots nicht gesendet wurden. Die Forderung nach Annullierung der Wahl soll direkt auf den Schreibtischen in Brüssel landen.

Polizei und Behörden sind oft ratlos, wie sie dem wachsenden Extremismus in Tschechien begegnen sollen. Gerade am Wochenende sind über 40 Anhänger der rechtsextremen Arbeiterpartei vorübergehend festgenommen worden. Sie wollten ungenehmigt vor dem Tschechischen Rundfunk aufmarschieren. Denn der hatte am Donnerstag auch die Wahlspots der Arbeiterpartei abgesetzt.

Foto: ČTK „Was einige dieser Parteien veranstalten, das bewegt sich in der Tat an der Grenze des Erlaubten. Und es ist sehr schwer zu beweisen, ob es zu einer Straftat gekommen ist oder nicht“, beklagt Pavel Reich von der Anti-Extremismus-Abteilung der Tschechischen Polizei.

Das Innenministerium prüft nun erneut ein Verbot der Nationalpartei und der Arbeiterpartei. Drei Viertel aller Bürger unterstützen eine Auflösung aller rassistisch orientierten Parteien. Der Politologe und frühere Extremismus-Sachverständige Miroslav Mareš meint jedoch, dass die Politik am falschen Ende anpackt:

„Die Regierung sagt immer wieder, dass die Bekämpfung des Extremismus für sie Priorität hat. Aber wenn wir uns nur einmal die finanziellen Mittel anschauen, die in die Extremismus-Forschung gesteckt werden, dann kann man ganz klar sagen: Das hat keine Priorität.“



Artikel zum Thema
DatumÜberschriftRubrik
05.04.2012Polizei gelingt Fahndungserfolg im Kampf gegen NeonazisNachrichten
08.03.2012„Facebook dient als Mobilisierungszentrum“ – Neue Studie zum Rechtsextremismus in TschechienNachrichten
22.09.2011„Eine ganz normale Kneipenschlägerei auf dem Land“ – Die Unruhen in NordböhmenNachrichten
01.05.2011Brünn: Polizei nimmt bei Aufmärschen Rechtradikaler acht Menschen vorläufig festNachrichten
02.11.2010„Für Neonazis ist der Boden in Tschechien heiß geworden“Nachrichten
20.10.2010Außerordentliche Haftstrafen für die Brandstifter von VítkovNachrichten
24.04.2010Bürgermeister von Pilsens drittem Stadtbezirk lässt Marsch von Rechtsradikalen auflösenNachrichten
18.02.2010Nach Verbot der Arbeiterpartei wird über Bedeutung des Urteils diskutiertNachrichten
17.02.2010Verwaltungsgericht verbietet Arbeiterpartei – enge Verbindungen zur Neonazi-SzeneNachrichten
Alle Artikel zum Thema
Artikel
Zum Druck formatieren
Als E-mail versenden

Eine Auswahl aus den vorangegangenen Beiträgen der Rubrik "Nachrichten"
13.05.12  Lety: Politiker dürfen die Anti-Roma-Stimmung nicht missbrauchen
08.05.12  Roma-Vertreter kritisieren Berichterstattung
26.04.12  Helsinki-Ausschuss: Abneigung gegen Roma in den letzten zehn Jahren gestiegen
26.04.12  Roma-Verband fordert von Regierung speziellen Beauftragten
22.04.12  Rechtsextremisten marschieren in Břeclav
19.04.12  Rechtsextremisten planen Protestmarsch durch Břeclav
07.04.12  Rechtsextremisten veranstalteten Meeting in der Roma-Siedlung Chánov in Most
05.04.12  Polizei gelingt Fahndungserfolg im Kampf gegen Neonazis
03.04.12  Polizei: Rechtsradikale planten Angriffe gegen den tschechischen Staat
31.03.12  Einwohner von Varnsdorf protestieren gegen Zubau von Wohnghettos
Archiv

Meistgelesene Artikel
34467   26.02.00 Geschichte und Herkunft der Roma
33793   26.02.00 Traditionelle Berufe der Roma
31090   26.02.00 Familie
28395   26.02.00 Die traditionelle Lebensart der Roma
28373   26.02.00 Jugend
24971   26.02.00 Erwachsenenalter
24238   26.02.00 Kindheit
24151   26.02.00 Die Situation der Roma nach 1989
23884    Geschichte der Roma auf dem Gebiet der Tschechischen Republik
21903   26.02.00 Alter
Copyright © Český rozhlas / Czech Radio, 1997-2012
Vinohradská 12, 120 99 Praha 2, Czech Republic
E-mail: info@romove.cz